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Singles: warten auf den Lohn des Wohlverhaltens?

Die wahre Lust und Sinnlichkeit - das ist die Hoffnung
Der Monat Mai sollte uns eigentlich die Lust zurückbringen. „Hoffen auf Berührungen und Lust“ war das von mir gewählte Motto - und sicher, von der Hoffnung konnte ich schreiben. In der hochoffiziellen Realität, die uns die Obrigkeit derzeit kredenzt, kommt die Lusterfüllung allerdings nicht vor - jedenfalls nicht für Singles ohne feste Bindung. Was man wirklich auf 1,50 m Abstand tun kann, reicht nicht einmal dazu, echt Appetit aufeinander zu bekommen. Zumal, wenn es legal unmöglich ist, das Versprechen der Lust auch erfüllt zu bekommen.

Der Dauerkonflikt des Singles

Die Lust zum Wagnis ist also in jedem Fall illegal.

Mag sein, dass Robert Walsers Satz auf viele Singles zutrifft - einer der wenigen Sätze, die sich überhaupt mit den Konflikten der Lust und der Legalität beschäftigen:

Ich hätte wohl Lust, es zu wagen, aber ich habe ebensoviel Lust, zum Gesetz ja und zum Wagnis nein zu sagen.

Hauptsache irgendwie Lust?

Lust? Unlust? Inzwischen ist es längst nicht mehr die Auswahl der „höchsten Lust“, des bestmöglichen „Matches“, der unsere Singles bewegt. Vielmehr ist es die Hoffnung, aber auch der Drang, endlich einmal wieder einen Menschen an Tisch und Bett vorzufinden - einen Menschen, der körperliche Wärme ausstrahlt. Wenigstens einen, wenigstens einmal, wenigsten bald ... es muss gar nicht unbedingt Sex sein ...

Warten auf den Lohn des Wohlverhaltens?

Der brave Single, der die Gesetze achtet, die Distanz nicht mutwillig überwindet, ja, der ich überhaupt zurückhält, empfindet sich zwar als „edel und gesetzestreu“, doch weiß er auch, dass ihm dieses Verhalten nicht nützt. Allerdings weiß er ebenso nicht, ob ihm das gegenteilige Verhalten nützen würde. Und also tut er das, was alle „verantwortungsvollen Bürger“ tun: Abwarten und Hoffen.

Nach den gängigen Prinzipien der menschlichen Ökonomie fordert jemand, der lange Zeit gut, brav und edel war und deshalb gewisse Verluste erleidet, irgendwann den Gewinn ein. Die Hoffnung, durch zeitweilige Abstinenz zu gewinnen, nährt ihn. Möglicherweise hat er sogar einen Gewinn durch die Abstinenz selbst - aber es ist nicht der Gewinn, auf den er gehofft hat, eher ein „Beifang“.

Das Prinzip "Weihnachtsmann" wird nicht funktionieren

Wer derzeit den Schönrednern, Geschäftemachern und Moralapostel glaubt, hat etwas von einem Kind, das an den Weihnachtsmann glaubt: Brav, edel und fromm zu sein hat Einfluss auf die Größe der Weihnachtsgeschenke.

Es wäre an der Zeit, erwachsen zu werden und niemandem zu glauben, der uns das Belohnungssystem des Weihnachtsmannes nahebringen will. Und dabei ist völlig unerheblich, ob er einen Rauschebart oder einen Jugendflaum im Gesicht trägt - und selbstverständlich auch, welchen akademischen Titel er führt.

Wohlverhalten erbringt bei der Partnersuche keinen Gewinn

Und um es klar zu sagen: ich empfehle, weiterhin Abstand zu halten und gar nicht erst auf die „Weihnachtsmannlüge“ hereinzufallen. Denn an dem Tag, an dem es wieder möglich wird, einander im echten Leben zu treffen und sich körperlich näher zu kommen, werden diejenigen gewinnen, die am schnellsten und sichersten die geeignetsten Dates eingehen.

Bild: Möglicherweise von Léon Courbouleix, gegen 1930, als Illustration in der erotischen Literatur verwendet. Es handelt sich um einen kolorierten Ausschnitt aus der Originalzeichnung.

Die Krise - Singles ohne Körperkontakte?

Verlockung Cam Girl?
Wer „notgeil“ ist (das gibt’s mittlerweile auch bei Frauen) kannte in der Vergangenheit Plätze, an denen dies Problem behebbar war. Oder er/sie hatte da „so eine App“, mit der man schnell jemanden „in der Umgebung“ finden konnte. Schließlich gab es für Frauen und Männer mit exklusiverem Geschmack noch die seriösen „Casual Dating-Seiten“, da ging’s zwar nicht ganz so fix, aber eben doch noch zügig, bis Frau und Mann aneinander aufeinander oder ineinander kamen.

Professionelle Sex-Arbeiter(innen): Tote Hose?

Jetzt geht – gar nichts mehr? Und was ist mit all den „Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern“, die in der allergrößten Not „zu Diensten“ waren? Ein Teil von ihnen soll angeblich virtuellen Sex verkaufen – aber das geht nur begrenzt, denn ein Cam-Girl muss öffentlich das Gesicht zeigen. Das ist mancher Frau definitiv peinlicher als ihre Vulva vorzuzeigen. Und überhaupt: Ist lustvolles Flüstern per Bildschirm überhaupt das Gleiche wie dem Lover im Hotelzimmer dieselben Worte ins Ohr zu hauchen? Die Wahrheit ist bitter - lest nach im "Standard".

Gute Ratschläge ohne Wirksamkeit?
Begierde mit Abstand
Wir haben dutzende „guter Ratschläge“ gesehen, wie Singles mit der gegenwärtigen Sex-Not umgehen und auch, wie die Dienstleistungs-Anbieter versuchen, dennoch „über die Runden“ zu kommen. Was die Singles betrifft, sind dies ausschließlich „Durchhalteparolen“, die nicht den Strom wert sind, die der Computer dabei verbraucht. Sex-Arbeiterinnen, die üblicherweise „recht klamm“ sind, versuchen sich inzwischen als Cam-Girl. Manche verkaufen auf zweifelhaften Portalen Kleidungsstücke, Sex Fotos oder „home made“ Porno-Videos – dazu benötigen sie aber eine solide Fan-Base, und die wächst auch nicht von heute auf morgen. haben da mal nachgeschaut und glauben danach kaum noch, dass dort als „Sex-Profi“ ohne „Online-Fans“ viel Geld zu machen ist.

Singles ohne Hoffnung auf Zweisamkeit?

In Krisenzeiten denken die Krisenmanager vor allem an diejenigen, die ihnen nahestehen: Familien. Man weiß: dort ist die Reservearmee des Gutmenschentums, oder die „Subsidiarität“. Die Familie stützt, fängt au und übernimmt die Aufgaben, die eigentlich der Staat erfüllen sollte. Ob gerne oder nicht – das fragt kaum jemand.

Ja, toll – die Gutmenschen freut es sichtlich, wenn sie sehen, wie unsere Gesellschaft wieder ins 19. Jahrhundert abdriftet. „Eia, Popeia, was raschelt im Stroh …“

Und die Singles? Sie sind offensichtlich nicht „als solche“ systemrelevant. Sie darben, frusten, vereinsamen … und werden zornig. Und dabei ist nicht einmal ein Ende abzusehen, außer man glaubt den dummen Sprüchen von „Video Dating“ oder „Treffen im Park auf Distanz“.

Vorläufig scheint es keine Lösungen zu geben, ja, man denkt nicht einmal darüber nach. Es scheint, als würden Single in den Überlegungen der gegenwärtigen, familienzentrierten Politik gar nicht vorkommen. Und unsere Demoskopen erzählen uns ständig, alle wären so schrecklich zufrieden damit, sich selbst wegzusperren.

Wie es weitergehen soll? Ich weiß es nicht – aber ich befürchte, dass niemand glücklich wird, wenn er keine Hoffnung auf echte Zweisamkeit hat.

Bilder: Oben Cam-Girl, aus einer Werbung für Cam-Chats.
Mitte: Nach einer historischen Zeichnung, unbekannter Künstler.

Krisen-BH

In der Krise ... ist das Beste gerade gut genug ... (1915)
Jede Dame wird anerkennen, dass dieses duftige Gebilde zugleich auch das Höchste an Eleganz und Zweckmäßigkeit darstellt, das man von einem derartigen Toilettengeheimnis fordert.

Für DICH: wie geht es weiter mit der Partnersuche?

Der einfachste Wunsch - was wird daraus?
Grundsätzlich ist alles davon abhängig, ob unsere Regierungen uns genügend Freiräume lassen, um uns überhaupt frei zu fühlen und jedem zu begegnen, an dem wir Interesse haben. Daran bestanden in den letzten Wochen gewisse Zweifel.

Wie frei fühlst du dich?

Zweitens geht es darum, ob DU dich frei genug fühlst, jetzt wieder Begegnungen einzugehen. Die Angst der Regierenden war nicht die Angst um dich persönlich, sondern sie fürchteten, dass die jeweiligen Gesundheitssystem zusammenbrechen würden. Du selbst hast aber sicherlich auch eine gewisse Furcht, mit anderen Menschen „intim“ zu werden. Überlege dir alles genau. Es gibt sie ja, die Risiken. Aber wie groß sie sind, wenn du einem einzigen Menschen im Monat begegnest, den du zuvor nicht gekannt hast, kann dir niemand wirklich sagen.

Was möchtest du sofort? Was lässt sich verschieben?

Drittens ist die Frage, was dich drängt. Ist es Sex? Ist es Nähe oder Geborgenheit? Oder ist es die Suche nach einem dauerhaften Partner, der sich möglicherweise für Ehe und Familie eignet? Die Anzahl der infrage kommenden Partner für Ehe und Familie fällt langfristig kaum – also kannst du warten. Bei anderen Bedürfnissen ist die Frage, wie mutig (oder leichtsinnig) du bist. Nach wie vor gibt es Menschen, die nicht dein Bestes wollen, sie es, dass sie deinen Drang ausnutzen oder gar kriminell veranlagt sind. Und sie stürzen sich stets auf die nach Lust und Liebe lechzenden Menschen.

Das Praktische

Es gibt keinen Grund zur Panik – die jetzt verfügbaren Partnersuchenden fängt dir niemand weg. Es gibt sie und andere auch noch in einem Jahr.

Wenn du jetzt mit einem Menschen gechattet und möglichst noch viel telefoniert hast, ist wirklich empfehlenswert, ihn so bald zu treffen, wie dies möglich ist. Lass dich nicht länger hinhalten und halte ihn nicht länger hin – sobald sich der „Corona-Knoten“ löst, wollen viele Menschen wieder zusammenkommen.

Sollte bald wieder die nötige Freizügigkeit eintreten, dann triff dich mit deinen Kandidaten möglichst zu Spaziergängen – das ist genau so gut wie in einem Café.

Die „Normalität“ für Partnersuchende lässt noch auf sich warten

Sollten sich die Regierungen entschließen, das Leben wirklich zu normalisieren, so wirst du erleben, dass alle, bei denen sich die Emotionen, Wünsche und Hoffnungen, aber auch das sexuelle Verlangen, aufgestaut haben, an den Partnermarkt drängen werden. Der Zustand, der dann entsteht, nennt man „Flaschenhals“. Und das bedeutet: Alle drängen auf Dates, aber nur wenige bekommen eins.

Die Situation, die ich eben beschrieb, lockt üblicherweise alle Trickser und Betrüger an – das Spektrum ist riesig, von „Sex gegen Geld“ über Lovescamming bis hin zu Erpressung.

Rat für Partnersuchende jetzt und hier

Generell kann ich nur dazu raten, behutsam mit sich selbst und anderen umzugehen, die Bedürfnisse zu überprüfen und ihre Erfüllung abzuwägen. Das mag auch zu anderen Zeiten gegolten haben, aber gerade jetzt steigt der „Preis“, den du für die Erfüllung deiner Wünsche zahlen musst. Das heißt, du musst dich mehr anstrengen, intensiver suchen, sorgfältiger auswählen und dort Kompromiss eingehen, wo es dir möglich ist: das ist der Preis. Nach einigen Monaten wird sich die Mischung aus Angst, Bedürftigkeit, Emotionsstau und Geilheit wieder beruhigt haben. Ob es dann wieder „normale“ Verhältnisse gibt? Die Verhältnisse sind schon lange nicht mehr „normal“. Überleg dir immer, was du möchtest und wer dir deine Wünsche erfüllen könnte.

Mach mutig deinen Plan, und handle überlegt. Da ist das Beste, was ich dir an Rat mitgeben kann.

Bild: Skizze eines Zeichners, gegen 1950.

Die Wahrheit über die Partnersuche in der Krise

Feiert die Tage, wie sie kommen - und es kommen sicher noch welche ...
Ich denke, ich bin euch etwas schuldig – wenn ich so viele Kritik an anderen übe, die euch all diese dummen Ratschläge „in der Krise“ geben, was habe ich dann zu bieten?

Ich will dies mit zwei Frage kombinieren:

„Wie viel Zeit hast du vor dem Monat März darauf verwendet, einen Partner/eine Partnerin zu finden?“
„Worauf führst du zurück, dass du keinen Erfolg hattest?“


Wenn du verlässliche Antworten auf diese Fragen hattest

Wenn du die Antworten weißt, dann brauchst du keine Ratschläge. Du kannst dich bestenfalls fragen, wie du deinen Partner schneller, sicherer oder problemloser findest.

Wenn du die Fragen nicht beantworten konntest

Nehmen wir einmal an, du weißt die Antworten nicht, oder, schlimmer noch, du belügst dich selbst, sobald du antwortest.

Dann empfehle ich, im Moment mal gar keine(n) Partner zu suchen. Du begibst dich dann nur in Stress- und Ausnahmesituationen, die dich krank machen.

Stattdessen mach dir ein Konzept, nüchtern und ehrlich, wer du bist und was du von deinem Leben noch erwartest. Das hilft – und sonst fast gar nichts.

Es wird eine Zeit nach dem Shutdown geben

Überleg dir auch, warum du gerade jetzt suchen wolltest. Möglicherweise haben wie ein „Shutdown“ von einem oder zwei Monaten. Denk mal dran, wie viele Monate du schon mit Partnersuche vergeudet hast – da macht ein Quartal den „Kohl nicht fett“.

Und das heißt: Besser du beginnst mit der „echten“ Partnersuche frisch geläutert in zwei oder drei Monaten und hast Erfolg, als wenn du jetzt herumeierst und doch wieder nur Frust schiebst.

Ich garantiere dir, dass du damit besser fährst. Die Menschen, die dir etwas anderes sagen, mögen es „gut mit dir meinen“. Aber sie meinen es eben noch besser mit sich selbst.

Angucken ist erlaubt

Natürlich spricht nichts dagegen, sich jetzt schon „umzuschauen“. Aber das ist keine Partnersuche, sondern eine Möglichkeit, mal auf den virtuellen Basar zu gehen und zu schauen, was es dort „im Angebot“ ist.

Das ist alles, was ich heute zu sagen habe. Und es ist meine ehrliche Meinung.