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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Warum die Lust an Schlägen doch etwas mit Sex zu tun hat

Fantasie oder Realität?
Eine Frage an euch vorab: Wie viele Menschen stehen wirklich auf „Schmerzlust“, die durch Schläge hervorgerufen wird? Bíst du dabei?

Nur wenige Menschen gestehen, erotische Schläge zu mögen


Um es vorwegzunehmen: eine ziemlich große Anzahl, aber wenige, die es dir zugeben würden. Die meisten von ihnen konnten irgendwann einmal ihren Partner oder ihre Partnerin für das Spiel begeistern, während der Rest sich den Schmerz „aushäusig“ holt. Es mag euch erstaunen, aber Frauen, die solche Lüste verspüren, sind oft verheiratet, und sie wollen diesen Teil ihrer Neigungen auf keinen Fall mit dem Ehemann ausleben. Männer bekommen außer Haus alles, wenn sie dafür genügend Geld hinlegen - Frauen nicht immer.

Die Bereitschaft, erotische Schläge auszuteilen, ist deutlich begrenzt

Das Problem ist eigentlich bekannt: Kaum eine „gewöhnliche“ Frau ist bereit, einen Mann aus reiner Lust zu schlagen, es sei denn, sie sei wirklich sadistisch. Und außerhalb der „professionellen Dominaszene“ rühmt sich keine Frau, besondere Fähigkeiten dabei zu entwickeln, einen Mann sinnlich zu schlagen.

Auch der „ganz gewöhnliche Mann“ schlägt keine Frau aus der Lust daran, sie leiden zu sehen - es sei denn, er wäre sadistisch veranlagt. Tatsächlich gibt es nur wenige Könner unter den Männern, denen es ausschließlich darum geht, die „perfekte amouröse Züchtigung“ auszuführen. Für sie ist es kein Problem, geeignete Elevinnen zu finden. Woran das liegt, ist schwer zu ergründen, und auch ich will dieses Wagnis hier nicht eingehen.

Die Verabredung zum Besonderen beginnt oft mit dem Gewöhnlichen

Jemand hat jüngst erklärt, woran das liegt. Seiner Meinung nach verabreden sich Frauen, die an „so etwas“ interessiert sind, auf ganz gewöhnliche Art mit Männern. Das gilt auch „umgekehrt“. Doch was passiert dann?

Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Person, die nach Schlägen lechzt, normalerweise keine Worte findet, um diese Bitte auszusprechen. Deshalb ist eine besondere Art der Kommunikation erforderlich. Sie wird auch anderwärts angewandt und lässt sich in etwas so beschreiben:

Der Suchende will etwas, mag es aber nicht aussprechen. Er ist sich zugleich unsicher darüber, ob er seinen Wunsch hier und jetzt überhaupt äußern darf. Und er fürchtet negative Konsequenzen für den Fall, dass er es tut. Er/sie sagt also nicht: „Bitte schlag mich, ich warte darauf.“

Der mögliche Ausführende, Frau oder Mann, kann zunächst nicht davon ausgehen, dass er den Wunsch kennt. Deshalb wird er kaum sagen: „Du bist also hier, weil du geschlagen werden willst, nicht wahr?“

Die Entscheidung - am Ende eines zurückhaltenden Dialogs

Derselbe Dialog kann am Ende jedes Dates stehen, wenn es darum geht, ob, wo und wie man nun Sex „miteinander haben“ kann. Wie bekannt, wird er meist hinter der Floskel verborgen: „Gehen wir jetzt noch zu mir oder zu dir?“

Nahezu alle Frauen und Männer haben besondere Worte und Vorschläge dafür, jemanden „über den Zaun zu heben.“ Was dabei besonders wirksam ist, soll hier nicht diskutiert werden, aber zumeist näher sich beide einander vorsichtig mit Fragen oder „harmlosen“ Anmerkungen, etwa: „Mich reizt das Besondere, wie ist es eigentlich bei dir?“

Was Schläge, Lust und Sex vereint

Eine der Fragen, die am Ende aufgeworfen werden. Ist stets: Wenn jemand wirkliche Schmerzlust verspürt, dann ergibt sich automatisch die Frage, was passiert, wenn dieser jemand wirklich sexuell erregt aus dem Spiel mit dem Schmerz hervorgeht.

Es ist nicht einfach. Die Sache, über die wir reden, ist ja immer körperlich und meist mit wenigstens partieller Nacktheit verbunden. Die Erregung ist also klar zu erkennen. Das, was dabei vor sich geht, hat also etwas mit sexueller Erregung zu tun, soll aber nicht zum Sex führen.

Ein erfahrener Mann schrieb dazu:

Das Spiel um die Schmerzlust ist immer sexuell, sogar, wenn gar nicht von Lust die Rede ist, sondern nur von sinnlichen Schlägen. Und niemand gibt zu, dass er nach sexueller Befriedigung sucht.

Nun ist bekannt, dass Männer gerne masturbieren, nachdem sie gezüchtigt wurden - darüber gibt es zahllose Beschreibungen. Frauen würden es ebenso tun, doch die meisten wünschen sich einen „kompletten sinnlichen Abend“, zu dem auch die Befriedigung gehört.

Es ist also nicht „nichts Sexuelles“ was bei erotischen Züchtigungen stattfindet, sondern tatsächlich in erheblichem Maße sexuell, nur ohne die üblichen Formen des Geschlechtsverkehrs.

Wenn wir uns nun vergegenwärtigen, dass all dies oftmals „aushäusig“ abläuft, also nicht in einer Ehe oder Beziehung, dann haben wir das Phänomen vor Augen, dass hier etwas stattfindet, was nicht sein kann, weil es nicht sein darf. Ob es doch passiert? In einem Weihnachtsgedicht heißt es: „Ihr Naseweise, ihr Schelmenpack - meint ihr, er wäre offen, der Sack?“ Nein, er ist verschlossen, wie die Münder derer, die zu den „Ausführenden“ gehören. Oder, wie in einer unserer Quellen gesagt wird:

Ein Gentleman wird einer Dame in jedem Fall einen Gefallen erweisen, wenn sie ihm darum bittet.

Indem ich dies schreibe, stoße ich einen Seufzer aus. Es geht eben nicht „nur um Sex“, wenn es um Sex geht. Und wenn es um etwas anderes geht, was uns einander nahebringt, dann geht es manchmal eben auch um Sex.

Hinweis: Dieser Artikel beruht auf Eigenangaben von Betroffenen, Recherchen und Gesprächen, die teils schon etwas zurückliegen.

Über den Mythos vom Mythos des Masochismus

Eine Dame schlägt ihren Liebhaber mit einem Pantoffel
Im April sollte bei der Liebeszeitung eigentlich viel von den „Wechselbädern der Gefühle“ die Rede sein. Die scheiterte daran, dass wir keine „Insider mit Abstand zur Szene“ finden konnten.

Denn während vielen Sektierern der „alterativen“ Lustbewegungen alles „heilig“ ist, was darin vorkommt, muss die Redaktion der „Liebeszeitung“ auf Verhältnismäßigkeit achten. Und das sowohl im Ausdruck wie in der Sache.

Neulich las ich einen lustigen Satz:

Wenn weiblicher Masochismus ein Mythos ist, dann ist der Mythos dazu, dass er nicht existiert.

Genauso so ist es zweifellos mit Frauen und Sadismus, sowie mit Männern und Masochismus wie auch Sadismus. Die „Zahlen“ mögen statistisch ein wenig abweichen, und nicht jede(r) ist ehrlich mit sich selbst. Aber das ist auch alles.

Der Masochismus der reinen Lust

Bei der Art von Masochismus, den wir in der Liebe vorfinden, handelt es sich eigentlich nur um die Bereitschaft, sich dem/der anderen vorbehaltlos hinzugeben und dabei ihre/seine Neigungen erfüllt zu bekommen. Deswegen wird er auch in Szenen oder Rollenspielen ausgelebt und nicht in der Alltagsrealität. Wenn das doch so sein sollte, sind wie auf einem Grenzgebiet angekommen, für das in Spezialmagazinen Platz sein mag, aber nicht hier.

Drei sehr plausible Gründe für angeblichen Masochismus

Wenn wir einmal nur die Lust an Schlägen betrachten, dann bekommen wir drei Antworten, die allgemeingültig sind:

1. Sie können emotional bereichernd sein, weil die Erfahrung der absoluten Hingabe an den Partner so ungewöhnlich ist.
2. Sie regen die entsprechenden Körperpartien direkt und unmittelbar an, bereichern als die sexuelle Erregung.
3. Sie werden als Herausforderung angesehen, ähnlich wie Extremsport. Möglicherweise geht es dabei um die Ausschüttung von Botenstoffen.


Diese Antworten sind durchaus verständlich und klingen auch logisch. Sie haben nicht einmal den Anschein einer „Perversion“ – es sei denn, man würde extremen Leistungssport auch für eine Perversion halten.

Das Heftige und der erotische Roman

Nun ist mir aber bewusst, dass es noch mehr und abweichende Antworten auf die Frage gibt, zum Beispiel die „therapeutischen Schläge“, die eigentlich eher Strafen sind. Dabei ergibt sich nun die Frage, wo die Grenze zwischen Therapien, Strafen und anderen Beweggründen liegt.

Letztlich ist auch die Frage, ob wir Romane aller Art, in denen die Flagellation verherrlicht wird, wirklich ernst nehmen sollten oder sie als „spielerischen Umgang“ mit der Realität ansehen sollten. Und dieser Satz mag für viele Werke aus alter und neuer Zeit gelten, die Frauen und Männer eher dürftige bekleidet im abgedunkelten Raum und einer Leselampe konsumieren. Wohlwissend, dass es sich nicht um die Realität handelt, erregt sie das geschriebene Wort dennoch.

Falls jemand fragt, warum das so ist: Weil die Inhalte erst in Bilder umgesetzt werden müssen, die Bilder in Gefühle und die Gefühle in körperliche Reaktionen.

Weißt DU mehr? Dann schreibe darüber!

Fällt dir etwas ein? Dann sag es!

Und eure Erfahrungen? Schreibt darüber und bringt eure Erfahrungen ein … ich bin sehr gespannt, ob ich davon jemals etwas lesen werde. Wenn du Lust hast, etwas mitzuteilen ... dann mach es hier:

Bild: Anonym, 1906. "Sie saß rittlings auf ihm und mit ihrem Pantoffel ..."

Als junge Gentleman zu Ladys erzogen wurden

Zwei Sichtweisen - ein Jüngling
Als junge Gentleman zu Ladys erzogen wurden ... jedenfalls in der Literatur. Wir untersuchen, woher der Trend kam, wie er via Frankreich in die Geschichte einging und wie er als "Englische Erziehung" weiterhin existiert.

Über die Lust an Schlägen, dem Anlegen von Frauenkleidern und anderen Phänomenen, die Briten zugeschrieben wurden.

Es gibt kaum einen Zweifel, dass ein talentierter britischer Rechtsanwalt die Wurzel allen „Übels“ war. Denn wann immer von der „Englischen Erziehung“ die Rede ist, wird sein Werk „Gynecocracy“ genannt. Die heutigen Ausgaben besehen aus drei Teilen, und es scheint zumindest so, als würde wenigsten der erste Teil aus der Feder von Stanislas Matthew de Rhodèes stammen, der es 1893 anonym veröffentlichen ließ.

Ein Jüngling wird in eine junge Frau verwandelt

Die Trilogie basiert darauf, einen jungen Gentleman optisch in eine junge Lady zu verwandeln. Dafür existiert in der englischsprachigen Literatur der Begriff „Petticoat Discipline“. Neben der optischen Wandlung des jungen Mannes zur jungen Frau wird eine weitreichende emotionale Wandlung versucht. Sie wird teilweise durch eine Art „Gehirnwäsche“ versucht, andererseits aber auch durch „Zuckerbrot und Peitsche“. Letztlich schenken die an der Erziehung beteiligten Damen ihm bei Wohlverhalten minimale erotische Lüste. Fehlverhalten wird hingegen durch ganz außerordentlich heftige Schläge geahndet.

Viktorianischen Erotik beinhaltet oft Schläge und homoerotische Begegnungen

Selbstverständlich hat der Held Zweifel an der Wandlung, doch bis zum guten Ende, ein devoter Ehemann zu werden, muss er allerlei Zweifel an sich und anderen überwinden. Anklänge an Homosexualität werden - wie auch sonst in der er sogenannten „viktorianischen“ erotischen Literatur, keinesfalls ausgelassen. Dabei wird der Kunstgriff des Changierbeutels verwendet - es scheint so, als sei eine Handlung homosexuell, in Wahrheit ist der Verführer eine Frau, die den Verführten durchaus als Mann erkennt.

Die französische Sicht

So mit Fakten ausgestattet, wenden wir uns nach Frankreich, etwa um 1908.

Hier entsteht ein Werk, das eine sehr ähnliche Konstellation verwendet und dem man einen Titel gibt, der keinen Zweifel an der Herkunft des Genres lässt: „Éducation Anglais“ - „Englische Erziehung“. In dieses Werk wurden auch Zeichnungen aufgenommen, die recht drastisch die Brutalität dieser Erziehung demonstrieren sollten. Neben Schlägen werden dabei zur Disziplinierung betont enge Schnürungen verwendet, wie sie zu dieser Zeit noch allgemein üblich waren.

Es ist keine Frage, dass man sich im „schönen Frankreich“ moralisch distanzieren wollte. Und dies, obgleich man genau dieselben Kreise als Leserschaft ansprach, die auch „Gynecocracy“ verschlangen. Nämlich junge Männer, die von erotischen Schlägen schöner, dominanter Ladys träumten – und möglicherweise sogar davon, sich ihnen rückhaltlos zu unterwerfen.


Oh, seht ... diese unmoralischen Engländer ...

In „Éducation Anglais“ wird kapitelweise vorausgeschickt, wie unverschämt die Engländer sind, bevor die Erzählung überhaupt begonnen wird:

Und jetzt wollen wir denjenigen das Wort erteilen, die diese schmerzhaften und deprimierenden Phasen durchlaufen haben, und zwar durch jene Erziehung, durch die der Engländer seine erhebliche Neigung zu Heuchelei und Sadismus erhöht.
Die Inhalte dieser französischen Bücher haben nicht die Qualität des englischen Vorbilds, sind aber dennoch sehr ähnlich. Hier ein Textbeispiel:

Ungeachtet ihrer Handschuhe öffnete sie mit ihren flinken Fingern blitzschnell die Knöpfe meiner Hose, die sie bis zu den Fersen herunterzog. Anschließend zog sie ein Hemd hoch, legte mich über ihre Knie und schlug mich so heftig, dass ich mehrfach aufschrie. Doch sie ließ nicht von mir ab, und die Schläge wurden härter und heftiger. Dann sagte sie zu mir: „Schreien Sie nur, junger Herr. Schreien Sie, solange Sie wollen. Niemand wir kommen, um Sie zu retten. Und ich verspreche Ihnen: In Zukunft werden sie noch besser Gründe bekommen, um heftig zu schreien.

Später haben sich manche Autoren gefragt, warum den Engländern die Eigenschaft zugeschrieben wurde, heuchlerisch und sadistisch zu sein. Denn inzwischen wurde das „Englische Laster“, das auch „Englische Erziehung“ genannt wurde, über Frankreich in ganz Europa verbreitet.

Ein britischer Autor (1) meint:

Mit den Franzosen wurde noch nie eine … Übereinkunft … erreicht, um festzustellen, was genau „The English Vice“ tatsächlich ist. Je nachdem, welche Autorität darüber schreibt, könnte es sich historisch gesehen um Heuchelei oder Geißelung handeln, obwohl keiner der Zeitvertreibe mehr eine einzigartige englische Beschäftigung zu sein scheint, und ich bezweifle, dass dies jemals der Fall war.
Er fährt fort, dass die wahrscheinlichste Erklärung der britische Liberalismus sein könnte, der auch schon im Vorwort von „Éducation Anglais“ erwähnt wird. Dort allerdings mit dem diffamierenden Hinweis, dass der Engländer andere unterdrücken muss, um sich selbst frei zu fühlen. Oder sollte es doch die angelsächsische Eigenart sein, Autobiografien und Pseudo-Autobiografien zu lieben? Verstanden die Franzosen damals einfach alles falsch?

Wir wissen es nicht. Aber wir wissen, dass den Briten seither die Erfindung einer Erziehung mit Zuckerbrot und Peitsche nachgesagt wird, die wundersame Auswirkungen auf das Gemüt hat. Und dann und wann auch auf die sexuelle Ausrichtung.

Zitate: Aus „Gynecocracy“ (Britische Originalausgabe, Nachdruck), aus „Éducation Anglais“ (verschieden Ausgaben mit unterschiedlichen Zeichnungen) und einem Beitrag der „Indipendent (1)“. Bilder: Rechts extrem enge Schnürung nach der Zeichnung von M. Del Giglio (Pseudonym), Links nach der Zeichnung von Gaston Smit (aka Georges Topfer).

Rollenspiele und Erotik: Die Lust am Leid

Bei den meisten Illustrationen zum Thema steht die Lust im Vordergrund
"Die Lust am Leid" ist der dritte Teil unseres Beitrags über erotische Rollenspiele.

Ich kann hier nur andeuten, worum es hauptsächlich geht, nämlich die Lust am Leid. Ein Thema, bei dem Gleichgesinnte frohlocken und sich das Umfeld der braven Bürger entsetzt oder angeekelt abwendet. Eine der wenigen Betroffenen, die darüber schreiben, sagt uns:

Der Masochismus, den ich meine … ist eine Liebesform, die Grenzen zu sprengen vermag … und er ist … eine ganz besondere Art der Existenz.

Eine Rolle oder mehr als eine Rolle?

Bei den heftigen Spielen, die draus entstehen, geht es also nicht allein um die Rolle, sondern um das „alternative Sein in einem geschützten Raum“. Und in ihm gelten völlig andere Regeln. Nicht diejenigen, die wir „draußen im Alltag“ finden können.

Wie schon gesagt, handelt es sich um Herausforderungen, zum Beispiel:

- Verhöre.
- Beichten unter psychischem Druck.
- Ungewöhnliche psychische Belastungen ertragen.
- Sich extremen körperlichen Belastungen aussetzen.
- Fiktive Krankenhaus- und Psychiatrieszenen.
- Zur Strafe gezüchtigt werden.
- Extreme Herausforderungen („wie viel halte ich aus?“).
- Als „Gegenstand“ behandelt werden.

Geheime Fantasien

Einige dieser Rollenspiele entsprechen durchaus noch den geheimen Wünschen von Frauen und Männern. Der Wunsch, geschlagen oder gar gepeitscht zu werden, kommt in den Sexfantasien von mehr als einem Drittel der Frauen und einem knappen Drittel der Männer vor.

Eher Herausforderungen als „nur“ Rollen

Nachdem dies gesagt ist, mag jeder für sich überprüfen, ob und wie er/sie sich in dieser Lage fühlt. Das Wort „Herausforderung“ sagt ja aus, dass es nicht einfach darum geht, „mal eben eine Rolle zu spielen“. Es ist vielmehr der Wunsch, völlig in der Rolle aufzugehen und alles zu ertragen, was die Rolle erfordert. Jedenfalls, bis ein Codewort den Prozess beendet.

Derartige Spiele kommen in der Realität hauptsächlich bei Paaren und Einzelpersonen vor, die sich ohnehin in extremen Szenerien bewegen. Ein erheblicher Teil wird von bezahlten Spielerinnen (Dominas) ausgeführt. Derartige Szenen sind außerdem Gegenstand zahlloser Romane, von denen einige sogar Weltgeltung erreicht haben. („Weiberherrschaft“, „Venus im Pelz“, „Die Geschichte der ‚O‘“).

Vorurteile über Frauen und Männer

In der Vergangenheit wurde oft behauptet (und bestritten), der Wunsch nach einem masochistischen Rollenspiel existiere bei Frauen gar nicht. Vielmehr würde er von entsprechend sadistisch veranlagten Männern willkürlich hervorgerufen. Nach Jahren der Emanzipation können solche Parolen nicht mehr aufrechterhalten werden. Frauen unterwerfen sich tatsächlich auch dominanten Frauen, manche Männer anderen Männern … und vor allem verlangen immer mehr masochistisch geprägte Männer nach dominanten Frauen.

Zitat: Sina-Aline Geißler, „Lust an der Unterwerfung“, Rastatt 1990.
Bild: Buchillustration, um 1930, Ausschnitt

Rollenspiele und Erotik: Spiele mit dem sozialen Unterschied

Die sozialen Rollen aufheben
"Erotische Spiele mit dem sozialen Unterschied" bildet den zweiten Teil einer dreiteiligen Übersicht zu erotischen Rollenspielen.

Die zweite, sehr große Gruppe von Spielen beruht auf „Unterwerfung und Machtausübung“. In ihr werden soziale Rollen angenommen, wie etwa:

- Professor(in) und Student(in).
- Sportlehrer(in) und unwillige(r) Sportstudent(in).
- Chef(in)und Assistent(in).
- Gouvernante und Zögling.
- Hotelgast und Zimmermädchen.
- Escort-Frau (Escort Mann) und Kunde/Kundin.
- Vornehme Dame und Handwerker.
- Vornehmer Herr (vornehme Dame) und Putzfrau.
- Sklavenhalter(in) und Sklave/Sklavin.
- Gefangene(r) und Wärter(in).
- Sadistische(r) Pfleger(in) und Patient(in)
- Domina/Dominus und Kunde/Kundin.
- Herrin und „Sissy“ oder (seltener) Herr und Tomboy.

Warum mindestens eine(r) gut schauspielern sollte

Bei all diesen Spielen liegt auf der Hand, dass schauspielerisches Talent sehr gefragt ist. In einigen Fällen sind speziell ausgestalte Räume willkommen, und manchmal erhöhen Kostüme die Illusion.

Wir können und das so vorstellen: Der soziale Status beider Personen ist in Wahrheit gleich. Wird nun eine Verkleidung gewählt oder eine Kulisse aufgebaut, die Unterschiede im Status hervorhebt, wird das Spiel glaubhafter. Man denke an eine Domina auf einem Thron, eine Pflegerin oder Wärterin in Uniform, oder einen Schüler auf einer Schulbank.

Kein Spiel ist sozial korrekt - und erotische Spiele schon gar nicht

Wie schon mehrfach erwähnt, sind alle diese Spiele bewusst „sozial unkorrekt“. Das heißt: Eine Person ist gezwungen, sich sozial zu überhöhen, während sich die andere im Spiel sozial erniedrigt. Nach nahezu allen Berichten ist es einfacher und willkommener, die erniedrigte Person darzustellen oder zu verinnerlichen.

Wenige Zahlen - aber sie sagen doch etwas aus

Es gibt sehr eindeutige Statistiken dazu, wie Frauen und Männer in ihren Fantasien über solche Rollen denken, aber wenig Informationen, wie sie diese Rollen konkret erleben.

Nach der Statistik träumen zwar mehr Frauen als Männer davon, dominiert zu werden, doch sind die Differenzen gering, (65 zu 53 Prozent). Ähnliche Werte ergaben sich, als nach dem Wunsch zu dominieren gefragt wurde. Etwa 48 Prozent der Frauen könnten sich dies in ihrer Fantasie vorstellen, verglichen mit 60 Prozent der Männer. Allerdings gelten diese Werte nicht für „körperliche Disziplin“, also schmerzhafte Züchtigungen. Bei solchen aus der Literatur bekannten Rollenspielen sind die Frauen nur etwa zu einem Viertel bereit, aktiv „Hand anzulegen“. Passiv würden sich etwa ein Drittel dazu bereit erklären, wenn es bei einer Fantasie bliebe.

Ein Paar sein, aber nicht miteinander spielen?

Einige der vorerwähnten Rollenspiele werden nicht von verheirateten oder zusammenlebenden Paaren ausgeübt. Einige Frauen und Männer gehen bewusst fremd, um das Rollenspiel bei einer anderen Person zu genießen. Wieder andere (vor allem Männer) lassen sich mit professionellen Rollenspielerinnen ein, die sich als „Dominas“ vermarkten.

Eine Zwischenbilanz

Das Fazit: Die hier erwähnten Spiele sind eine Spur aufwendiger und deutlich intensiver als die Rollenspiele, die im Rahmen von „Blümchensex“ inszeniert werden. Die meisten setzen voraus, dass einer der Partner seine Rolle erotisch genießt, während dies beim anderen nicht zwingend notwendig ist.

Was kommt noch?

Im dritten Teil komme ich zu den Rollenspielen, die extreme körperliche Bereitschaft und/oder emotionale Überwindung erfordern. Diese Spiele werden von vielen Menschen als „äußerst befremdlich“ angesehen, obgleich sie in der Literatur recht häufig vorkommen. Der Reiz dieser Spiele liegt für die Beteiligten darin, dass sie nicht einfach „schauspielern“ können als sei nichts geschehen. Diese Spiele hinterlassen heftige, oft länger andauernde emotionale und physische Spuren, die man besser solchen Spielern überlässt, die auch sonst hohe Risiken eingehen.

Bild: Buchillustration, um 1930.