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Lust in Corona-Zeiten – bei CIS wie bei Queer

Verlockung
Ich hasse das Wort CIS, aber wie soll ich die sehnsuchtsvollen Massen sonst nennen, die gegenwärtig nach Lust lechzen? Heterosexuelle? Das ist wahrhaftig ein Unwort, denn dies zu sein, hieße ja jede andere Sehnsucht auszuschließen. Das ist bei „CIS“ genauso, aber ich begebe mich einfach mal auf die Sprachebene. Da ist man dann eben CIS (1) oder QUEER (2).

Der Durst nach Körperkontakten

Im Moment ist es so: Alle Singles, Krypto-Singles und andere Kontaktsüchtige, würden gerne mal wieder irgendwelche Körper spüren: Menschliche, zuvorkommende Körper, wenn es möglich ist. Und solche, die passen, wenn’s denn geht.

Mal ehrlich, ich bis völlig entnervt über das dumme Geschwafel der Gutmenschen und Geschäftemachern, die jetzt „Video-Chats“ anpreisen wie Sauerbier. So etwas erzeugt Bedürfnisse, die am Ende doch nicht erfüllt werden.

Heute jedenfalls fiel mir dieser Satz auf (Zitat, Quelle siehe unten):

Während draußen eine globale Pandemie den Ausnahmezustand auslöst, sinnieren meine Freund*innen und ich darüber, dass wir in Queerantäne zwar aktiv die Kurve der neuen COVID-19-Ansteckungen abflachen, unser Sex Drive jedoch im Gegensatz dazu ansteigt.

Nehmen wie dir Queerantäne(3) heraus und sagen mal „Selbstisolation“, dann gilt das für alle, die „irgendwie suchen“.

In den sozialen Netzwerken sei man gerade „Horny on Main“ (4), na gut, den Begriff kannte ich noch nicht, ich erkläre ihn am Ende. Man könnte sagen, es dies bedeutet: „Hey, ich stehe dazu, geil zu sein, und das sag ich jetzt mal deutlich.“ Also steht man dazu, sagt, was Sache ist und quält sich nicht mit eventuellen Schlampen-Faktoren.

Ich bin nicht so sehr in sozialen Netzwerken unterwegs, aber da draußen scheint es zu brodeln. Ich lerne, dass man „Thirst Traps“ (5)anlegt, so eine Art „Sexlockfallen“ auf sozialen Netzwerken.

CIS oder QUEER -alle wollen Körperkontakte

Was alle Singles eint – CIS oder QUEER, ist jedoch dies (Zitat):

Wer nicht gerade mit seiner monogamen Beziehung zusammen in einer Wohnung oder zumindest in der gleichen Stadt lebt, bekommt die Einschränkungen durch Corona auch in der Sexualität zu spüren.

Na klar, und auch das gilt für alle: Wechselnde Beziehungen, Fernbeziehungen, Poly-Beziehungen, Triolen aber eben auch „nur“ eine Affäre – alles wird komplizierter. (Die zitierte Autorin nennt "Cruising" (6), siehe Begriffserklärung.)

Am Ende – QUEER-Menschen haben ein eigenes Vokabular, aber sie trennt nicht viel von all den anderen, die darunter leiden, nun keine sinnlichen Körperkontakte haben zu dürfen.

Zitate und Ausdrücke:

Zitate aus: Missy -(feministisches Magazin). Das Magazin ist nur teilweise öffentlich zugänglich.

Die Illustration (oben) wird Gerda Wegener(1886 - 1940) zugeschieben.

(1) CIS – Szenenwort für „Hetreosexuell“
(2) QUEER – Szenenwort für alle, die nicht „heterosexuell“ sind.
(3) Queerantäne – Kofferwort aus „sexuell anders sein“ (Queer) und Quarantäne.
(4) Horny on Main – die Praxis, eigene sexuelle Lüste auf einem namentlich gekennzeichneten Blog oder in einem sozialen Medium zu veröffentlichen.
(5) Thirst Traps – Mit der eigenen Attraktivität die Lust anderer auf die Person hinführen oder sie anzulocken.
(6) Cruising – die bewusste und aktive Suche nach einem (einer) Sexualpartner(in), zumeist unter homosexuellen Frauen und Männern.

Eine Online-Präsenz haben, schreiben und beachtet werden

Entspannt nachdenken über mein Handeln
Wer einen eigenen Online-Auftritt hat, wird danach beurteilt, was er schreibt. Dein Sein, deine Persönlichkeit und dein Denken werden danach eingeschätzt.

Wir Autoren wissen natürlich, dass es nur Facetten und Aspekte der Persönlichkeit sind, die wir in Worte fassen. Aber ein Teil unserer Leserschaft (leider auch sogenannte Intellektuelle) glauben, sie können ein Urteil über uns fällen.

In Wahrheit ist das, was wir schreiben, ein mehrfach gefilterter, gelegentlich sogar wohlabgewogener Auszug aus dem, was wir denken und nur ein Flügelschlag dessen, was wir fühlen. Nein, wir haben keine fühlbaren Körper, keine nackt daliegenden Emotionen. Wir schreiben, was andere lesen und verstehen können – das hoffen wir jedenfalls.

Möglich, dass meine eigenen Worte über die Seiten streichen wie Sand an der See und dass deshalb nicht davon übrig bleibt. Indessen bin ich überzeugt, irgendjemanden mit meinen Worten Freude zu machen. Und wenn ich wirklich gut war, dann konnte ich jemandem helfen, sein Leben besser in den Griff zu bekommen. Vielleicht gelingt es mit heute noch.

Wer ich bin und warum ich all die Mühe auf mich nehme? Diese Frage hat man mir einmal gestellt, als ich gegen 38 Jahre alt war. Die Antwort war: Wer ich bin, geht dich nichts an, und was ich mache, tue ich, weil ich es tun muss.

Und ein Nachsatz: Frag niemanden, warum er etwas tut, von dem du nichts verstehst. Du könntest ihn damit dazu verleiten, den guten Weg zu verlassen.

Die Sichtweise ändern: Ihr Körper und Sie

Die übliche Sichtweise in der Liebe, soweit psychologisch angehaucht, lautet: das Ich handelt aus sozialer und kultureller Verantwortung. Das Es bringt das Spielerische in die Liebe und das Über-Ich sorgt dafür, dass alles schön im Rahmen bleibt.

Das Leben ohne Lust in Sittlichkeit - immer noch das Ziel?

Alles, was wir über die Liebe und ihre Auswüchse, über die Lüste und Versuchungen, Wege und Abwege lernen, folgt im Wesentlichen einem Gedanken. Die Krone der Schöpfung, der Mensch, sollte ein sittliches, verantwortungsbewusstes Leben führen und gute Werke tun – auch wenn es um die Liebe geht. Nicht nur aus der Sicht der „Gläubigen“. Wir alle haben uns einmal dem Wohlanstand verschrieben, nicht wahr?

Natürlich war da noch der Körper. Oh, darf man darüber überhaupt reden?

Der Körper kann "pure Lust"

Stellen wir uns den Körper nun vor als einen mit mit Sensoren ausgestatteten Organismus, der danach lechzt, sinnliche Lüste zu erfahren. Die biochemisch aufgebaute Leitstelle des Nervensystems unterstützt dieses Verlangen und produziert bei Berührungen oder visuellen Kontakten Botenstoffe, die entweder die Geilheit steigern oder den Schmerz reduzieren. Beides (und noch viel mehr) kann den Körper befriedigen, kann ihn für einen Moment von allen Lasten befreien, und die pure Lust kann von ihm empfunden werden.

Die Sittsamkeit als Zensor der Lust

Und nun greift das Kontrollzentrum der Sittsamkeit. Es schüttet Scham über uns aus, erzeugt Schuldgefühle, konfrontiert uns mit unserem sozialen und kulturellen Versagen. Wir haben gesündigt. Vielleicht müssen wir uns schämen, und rechtfertigen oder gar diese Sünde beichten.

Sagen Sie selbst – lohnt es sich wirklich, einen Kulturmenschen darzustellen?

Der erotische Körper: die Zunge



Meistens bleibt sie ja drin, die Zunge – doch wenn eine Frau auch nur ein wenig davon zeigt, gehen bei Männern die Lichter an: Ah – die möchte ich mal in meinem Mund haben und dort streicheln. Das ist jedenfalls eine Erklärung. Andere sind da schon heftiger: bei besonders rosig gefärbten Lutschlippen ist der Eindruck einer Vagina ohnehin schon vorhanden, und wenn dann noch etwas Vorwitziges aus dem Mund herauslugt … nun, da sollte reichen, nicht wahr: Die Zunge ist eines der verborgenen erotischen Körperteile, die den Männern kleine Schauer über den Rücken rieseln lassen, gleich, wo und wann wir sie spüren wollen.

Die Hauptdarstellerin beim Zungenkuss

Die Zunge macht als Hauptdarstellerin des Zungenkusses natürlich die beste Figur, sogar in der „anständigen“ Liebe. Wohin sie sonst noch ihren Weg findet, ist den Liebenden überlassen, jedoch sollten wir hier zumindest anmerken, dass sich die Zunge und der Anus nur in der Pornografie wirklich vertragen – ansonsten sind sie gesundheitliche Gegner. Frauenzungen haben in der lesbischen Liebe eine besondere Bedeutung, was vor allem in den letzten Jahren deutlich wurde: Wenn Frauen Zungenküsse austauschen, denken viele Frauen auch an andere Vergnügungen, die man einander bereiten könnte. Nur trauen müsste man sich eben – und daran mangelt es dann doch, sodass wirklich intensive Erfahrungen im Kontakt von Zunge und Vagina selten sind. Männerzungen werden ja hier (noch) nicht behandelt – dies nur zur Erinnerung.

Die Zunge: Vorsichtiger Einsatz beim Flirt

Beim Flirt sollte die Zunge mit größter Vorsicht eingesetzt werden: Das Belecken der Lippen ist das Einzige, das einer Dame von Welt erlaubt ist, vom Eis schlecken einmal angesehen. Freche junge Mädchen dürfen die Zungenspitze auch mal zeigen – so in der Art: Ich strecke dir die Zunge aus, aber nicht, um die zu beleidigen, sondern um sie dir zu zeigen.

Der Schmuck der Zunge ist eine Unsitte: Sie ist nicht ungefährlich und größtenteils wirkungslos, es sei denn in Milieus, in denen so etwas üblich ist.

In der Liebe hinterlässt die Zunge, wie bereits erwähnt, den besten Eindruck in der Mundhöhle, wenn sie mit einer anderen Zunge spielen darf, aber auch beim Belecken der Haut (wenn der Partner so etwas mag) und natürlich bei Fellatio und Cunnilingus.

Ich sollte nicht unerwähnt lassen, dass die Zunge sehr wichtig ist bei der Aussprache von Wörtern: Liebe zum Beispiel. Außerdem lassen sich mit der Zunge zahllose Laute erzeugen, die nicht zur Sprache gehören, aber zur Kommunikation: Das Schnalzen ist nur ein Beispiel für viele akustische Botschaften, die ausschließlich mit der Zunge erzeugt werden.

Solltet ihr also Ihre Zunge hüten? Nein, natürlich nicht. Beim Flirt gezielt, aber nicht übertreiben eingesetzt, ist sie ein Wundermittel: Feucht und warm aus dem Körperinneren auftauchend, vermittelt sie auch beim sehr kurzen Vorzeigen bereits das Bedürfnis, der Person nun schnell näherzukommen.

Titelbild: © 2007 by Denis Defreyne

Erotischer Körper: die Erotik des Mundes

Es ist das erste Mal in dieser Serie, dass wir uns entschließen, einen Körperteil in seine Bestandteile zu zerlegen, weil es mindestens vier wichtige Komponenten des Mundes gibt: die Lippen, die Mundhöhle, die Zunge und die Zähne. Es ist richtig, das man nicht immer von allem alles sieht, aber jede Komponente für sich spielt eben erotisch eine gewisse Rolle.

Der Mund ist auch der erste hier behandelte Körperteil, dem eine aktive Rolle bei geschlechtlichen Handlungen zufällt – nicht bei jedem Menschen, aber immerhin bei sehr vielen. Deswegen ist nicht nur wichtig, wie wir die Lippen bewegen, sondern eben auch, was wir in welcher Weise in den Mund hineinstecken. Manche Frauen würden sich wundern, welche Assoziationen bei Männern entstehen, wenn sie beispielsweise Banane oder Würstchen essen – aber auch Eis oder Weintrauben kann man so erotisch vernaschen, dass den Männern die Hose schwillt.

Morgen finden Sie hier bei uns (dann wieder als Leitartikel) einen Beitrag über die Lippen – und wir erklären, warum ihr diese wohl rot schminken dürft, aber vorsichtig mit rosa oder zu viel Glanz sein solltet.

Bild: © 2009 by Vít Hassan



Die Wangen
Die Augen
Die Nase
Die Ohren
Die Haare
Körper als Liebeskapital